Grossbritannien macht’s vor: Folsäure ab 2026 Pflicht im Weizenmehl
- Lesezeit: 6 min.
Das englische Parlament hat beschlossen: Ab 2026 wird Weizenmehl in Grossbritannien verpflichtend mit Folsäure angereichert. Ziel dieser Massnahme ist es, Neuralrohrdefekte (NTDs) bei Föten zu reduzieren und damit die Gesundheit von Schwangeren und Babys zu verbessern.
Europa hinkt hinterher
Grossbritannien ist damit das erste europäische Land, das diesen Schritt geht. Doch wie sieht es weltweit aus? In vielen afrikanischen und asiatischen Ländern als auch in Nord- und Südamerika ist die Anreicherung von Mehl mit Folsäure bereits weit verbreitet.1 Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) werden in 81 Ländern weltweit Mehl oder Getreideprodukte mit Folsäure angereichert.2
Könnte die Schweiz folgen?
Studien zeigen, dass die Folsäure-Anreicherung in Ländern wie den USA jährlich rund 1300 Fälle von NTDs verhindern kann3 – ein bedeutender Fortschritt für die öffentliche Gesundheit. Diese Zahl basiert auf Modellrechnungen aus Ländern, die bereits seit Jahren Mehl mit Folsäure anreichern. Eine aktuelle Analyse geht davon aus, dass durch eine flächendeckende Anreicherung die NTDs möglicherweise um bis zu 50 Prozent reduziert werden könnten.4
Wissenschaft vs. Zurückhaltung
Oft diskutierte Gegenargumente gegen eine Anreicherung sind gemäss einer Studie5 – welche zur positiven Beurteilung der Mehlanreicherung in Grossbritannien stark beigetragen hat – wissenschaftlich nicht haltbar:
- Keine Beweise für eine Maskierung von B12-Mangel: Die Sorge, dass eine Folsäureanreicherung einen B12-Mangel kaschieren und zu neurologischen Schäden führen könnte, basiert auf veralteten Studien aus den 1950er-Jahren und ist nicht belegt.
- Fehlerhafte Festlegung der Obergrenze: Die aktuell bestehende Obergrenze für die Folsäurezufuhr wurde auf Basis einer fehlerhaften Dateninterpretation festgelegt und sollte wissenschaftlich reevaluiert werden.6
- Gewinn grösser als möglicher Schaden: Der Nutzen einer Folsäureanreicherung zur Prävention von NTDs übersteigt potenzielle, nicht belegte Risiken bei Weitem.
Ein Anstoss für die Schweiz?
Grossbritannien rechnet nicht nur mit gesundheitlichen Vorteilen, sondern auch mit wirtschaftlichen Einsparungen: Prognosen gehen von 20 Millionen Pfund Ersparnis für das britische Gesundheitssystem und wirtschaftlichen Vorteilen von über 90 Millionen Pfund aus.7 Die Entscheidung des UK zeigt, wie eine wirksame Präventionsmassnahme sowohl den gesundheitlichen als auch den finanziellen Vorteil für die Gesellschaft bringen kann.
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind eindeutig: Es gibt keine belastbare Grundlage für eine Obergrenze der Folsäurezufuhr. Diese hat in vielen Ländern die Einführung einer verpflichtenden Anreicherung behindert. Ihre Streichung würde den Weg für eine weltweite Umsetzung frei machen und damit langfristig Millionen von Kindern vor vermeidbaren Geburtsfehlern schützen.
Die Chance für die Schweiz
Die Schweiz hat die Möglichkeit, von der internationalen Erfahrung zu profitieren und eine effektive Massnahme zum Schutz der Gesundheit umzusetzen. Die wissenschaftliche Grundlage ist stark, und auch die Erfahrungen aus anderen Ländern sprechen für den Erfolg einer flächendeckenden Folsäureanreicherung.
Die Zeit ist reif: Wann handelt die Schweiz?
Die Entscheidung Grossbritanniens zur verpflichtenden Folsäureanreicherung im Mehl sollte auch in der Schweiz eine neue Debatte anstossen. Hierzulande blieb eine solche Massnahme bislang aus. Ein erster Anlauf erfolgte 1999, als der Zürcher Nationalrat Roland Wiederkehr einen parlamentarischen Vorstoss zur obligatorischen Folsäureanreicherung initiierte. Dieser Vorstoss wurde zunächst vom zuständigen Ernährungsausschuss befürwortet. Jedoch lehnte die Rechtskommission des Nationalrats die Initiative ab, mit der Begründung, dass eine obligatorische Anreicherung die Wahlfreiheit der Konsumenten einschränken würde. In der Folge wurde der Vorstoss nicht weiterverfolgt.
Ein Rechtsgutachten der juristischen Kommission8 kam 2006 zum Schluss, dass eine staatlich verordnete Anreicherung nicht zulässig sei, da die Interessen der Krankheitsprävention nicht schwerer wögen als jene der betroffenen Personen.
Mehr als 20 Jahre nach dem parlamentarischen Vorstoss zeigt die Wissenschaft klar: Der Nutzen einer Folsäureanreicherung ist unbestritten. Grossbritannien hat es erkannt – und handelt. Die nächste Frage kann jetzt nur sein: Wann folgt die Schweiz?
Weitere Artikel
-
Das kleine 1×1 der Folsäure
Trotz steigender Bekanntheit ist das Folsäure-Wissen meist nicht sehr fundiert. Deshalb hier die Antworten auf ein paar ganz grundsätzliche Fragen.
-
Mehl: Warum die Schweiz auf Folsäure verzichtet
In 81 Ländern steckt Folsäure im Mehl – in der Schweiz nicht. Dabei könnte der Zusatz nicht nur schwere Geburtsfehler verhindern, sondern auch Herz, Hirn und mehr schützen. Warum bleibt eine so einfache Lösung bei uns auf der Strecke?
-
Weniger Geburtsfehler dank Folsäure
Mit einer frühzeitigen Folsäure-Prophylaxe kann das Risiko von vielerlei Geburtsfehlern nachweislich reduziert werden.
-
Jugendunruhen im Kopf
Spätestens seit der Corona-Pandemie ist die psychische Gesundheit junger Menschen in der Schweiz ein viel diskutiertes Thema. Wie ernst ist die Lage, was treibt die Jugend an, und welche Lösungen gibt es? Eine Spurensuche.
-
Das kleine 1×1 der Folsäure
Trotz steigender Bekanntheit ist das Folsäure-Wissen meist nicht sehr fundiert. Deshalb hier die Antworten auf ein paar ganz grundsätzliche Fragen.
-
Was man nicht sieht: Ein Leben mit Spina Bifida
Im August 2013 kam meine Tochter mit einer Diagnose zur Welt, die unser Leben von Grund auf veränderte: Spina bifida. Was von aussen oft nicht sichtbar ist, prägte unseren Alltag und unsere Sicht auf die Welt. Dreizehn Jahre später blicke ich zurück und erzähle meine persönliche Geschichte – von medizinischen Befunden, Entscheidungen und einem Leben, das anders ist, als es auf den ersten Blick erscheint.
-
Brauereibesuch in Appenzell – ein Quöll der Freude
Endlich die Lieblingsbrauerei besuchen. In Appenzell. Was mich da wohl erwartet? Ein Erlebnisbericht zwischen Bierdegustation und Bilderbuchkulisse.
-
Wohnungsnot: Kündigung, und dann?
Nach fünfunddreissig Jahren verlieren Andrea Atuma und ihre Tochter Roxane ihre Wohnung in Zürich-Wiedikon: Das Haus an der Manessestrasse wird abgerissen, danach dürften die Mieten steigen. Ihr Schicksal steht exemplarisch für Leerkündigungen – und für die wachsende Knappheit an bezahlbarem Wohnraum in Schweizer Städten, in denen die Wohnungsnot längst zu den grössten Sorgen der Bevölkerung zählt.
-
Social Media 16+: Verbot oder verantwortungsbewusster Umgang?
Smartphones, Chats und Reels – soziale Medien prägen den Alltag der heutigen Jugend. Doch immer mehr kritische Stimmen warnen vor psychischen Risiken und fordern Schutzmechanismen und klare Altersgrenzen. Wo steht die Schweiz im Umgang mit Social Media im Leben junger Menschen?
-
Kleiner Alltagskönner
Zwischen Arbeit, Familie und Freizeit bleibt oft wenig Zeit für aufwändige Mahlzeiten. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach gesunder Ernährung. Genau hier spielt das Ei seine Stärken aus und erweist sich als kulinarischer Allrounder für den Alltag.
-
Für den smarten Start in die Schwangerschaft
Eine Tablette mit vielen Nährstoffen für Frauen mit Kinderwunsch ist nichts Neues. AndreaVit® mama geht einen Schritt weiter und setzt auf eine zeitlich gestaffelte Freisetzung der Nährstoffe, um eine optimale Versorgung zu unterstützen.
-
Geistige Fitness ist kein Zufall
Geistige Fitness hängt von vielen Faktoren ab. Neben Bewegung und Ernährung rücken auch bestimmte Pflanzenstoffe und Zellbausteine in den Fokus der Forschung. Namen wie Bacopa monnieri oder Phosphatidylserin tauchen dabei immer häufiger auf.
-
Hautsache Folsäure
Folsäure kennen die meisten als essenzielles Vitamin für Frauen mit Kinderwunsch. Was viele überraschen dürfte: Genau dieses Vitamin könnte künftig auch in der modernen Hautpflege eine Schlüsselrolle spielen.
-
Creamy-Tahini: Dattel-Tahini-Smoothie
Dieser cremige Smoothie ist ein echter Energielieferant: Datteln sind reich an Ballaststoffen und Kalium, Tahini liefert pflanzliches Protein und Calcium, und Kakao steckt voller Antioxidantien und Magnesium. Die Banane macht alles nicht nur schön cremig, sondern liefert zusätzliche Vitamine und Mineralstoffe.
-
Schweizer Superfood: Gut für Gesundheit und Umwelt
Avocado, Açaí, Spirulina: Die klangvollen Superfoods sind schon lange nicht mehr nur in angesagten Brunch-Restaurants zu finden. Doch sind die exotischen Vitaminbomben auch so super, wie es der Name verspricht? Es gibt Schweizer Alternativen, die locker mithalten können.
-
Healthy Bites: Quinoa-Schoko-Pops
Nicht nur unwiderstehlich lecker, sondern auch voller wertvoller Nährstoffe: Diese Quinoa-Schoko-Pops vereinen pflanzliches Protein, wertvolle Ballaststoffe und gesunde Fette – perfekt für einen süssen und gesunden Snack zwischendurch!
-
Seit über 25 Jahren auf Folsäure-Mission
Als ihre Tochter mit einem offenen Rücken zur Welt kam, wusste die ehemalige Skirennfahrerin Maria Walliser nichts über Folsäure. Heute engagiert sie sich mit viel Herzblut dafür, dass in der Schweiz mehr Menschen über das lebenswichtige Vitamin Bescheid wissen.
-
Japanische Pfannkuchen: Vegetarisches Okonomiyaki
Knusprig gebraten, saftig im Inneren und vollgepackt mit Gemüse: Okonomiyaki ist japanisches Soulfood in Pfannkuchenform. Diese vegetarische Variante ist unkompliziert, alltagstauglich und perfekt, um mit frischen Zutaten zu variieren oder Reste kreativ zu verwerten.
-
Weniger Geburtsfehler dank Folsäure
Mit einer frühzeitigen Folsäure-Prophylaxe kann das Risiko von vielerlei Geburtsfehlern nachweislich reduziert werden.
-
Da hat's Folsäure drin
Produkte mit einer Extraportion Folsäure erkennt man in der ganzen Schweiz am Folsäure-Label auf der Verpackung. Bereits gegen 200 Artikel sind mit diesem Label gekennzeichnet – und es werden von Jahr zu Jahr mehr.
-
Auf zum Energie-Check!
Der Energie-Check der Rotpunkt Apotheken zeigt schnell und unkompliziert, ob ein Mangel an Eisen, Vitamin B12, Vitamin D3 oder Folsäure vorliegt. Das schafft eine fundierte Basis für gezielte Prävention und mehr Leistungsfähigkeit im Alltag.
-
Türkisches Frühstück: Çılbır – pochierte Eier mit Joghurt
Çılbır ist ein echter Klassiker der türkischen Küche und zeigt, dass Einfachheit oft am besten schmeckt. Cremiger Joghurt, zart pochierte Eier und die sanfte, warme Schärfe von Pul Biber verbinden sich zu einem ausgewogenen, aromatischen Frühstück. Schnell zubereitet, proteinreich und zudem wohltuend für die Verdauung – ideal für einen genussvollen Start in den Tag.
-
Stress lass nach!
«Ich bin total im Stress.» Dieser Satz ist so alltäglich geworden, dass er kaum noch auffällt. Dabei ist chronischer Stress alles andere als normal. Er schadet dem Körper, belastet die Psyche und kostet die Schweizer Wirtschaft jedes Jahr Milliarden. Wie konnte es so weit kommen?
-
Pure Nahrungsergänzung
Individuelle Mikronährstoffversorgung statt Standardlösungen: Pure Encapsulations positioniert sich mit einem klaren Fokus auf Reinheit, Wissenschaft und Beratung bewusst anders als viele Anbieter im Markt der Nahrungsergänzungsmittel.
-
Innovative Folsäure-Prophylaxe
Für Frauen mit Kinderwunsch gibt es eine grosse Auswahl an Produkten zur Folsäure-Prophylaxe. Pre-Natalben® ist das einzige mit Quatrefolic® und Vitamin B12. Eine Kombination, die überzeugt.